Welche Fähigkeiten Führungskräfte künftig zwingend benötigen und wie Unternehmen sich mit den richtigen Führungskräften fit für die Zukunft machen: Fachtagung anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der Wefers & Coll. Unternehmerberatung im Oldenburger Patentkrug mit Führungskräften und Experten der Region
Technologische Innovationen, gesellschaftliche Veränderungen, unsichere Rahmenbedingungen – die aktuelle dynamische Arbeitswelt erfordert nicht nur ein großes Maß an Anpassungsfähigkeit, sondern auch eine grundlegende Neuausrichtung der Kompetenzen, die Führungskräfte benötigen, um erfolgreich zu sein.
Die digitale Transformation hat nicht nur die Art und Weise verändert, wie Unternehmen arbeiten; sie hat auch die Erwartungen an Führungskräfte revolutioniert. Diese stehen vor der Herausforderung, ihre Führungsansätze neu überdenken zu müssen. Traditionelle Führungsstile, basierend auf Hierarchie und Kontrolle, sind zunehmend ineffektiv geworden. Stattdessen sind agile Ansätze gefragt, die Flexibilität, Kreativität und Zusammenarbeit fördern. Future Skills sind daher unerlässlich, um den Herausforderungen einer sich ständig verändernden Arbeitsumgebung gerecht zu werden.
Welche Fähigkeiten sind entscheidend, um in einer zunehmend digitalen und agilen Arbeitsumgebung erfolgreich zu führen? Welche Future Skills benötigt ein Unternehmen in seinen Führungsebenen, um zukunftsfähig aufgestellt zu sein? Und wie kann es sicherstellen, tatsächlich über diese zu verfügen?
Vor diesem Hintergrund veranstaltete die Wefers & Coll. Unternehmerberatung gestern im Oldenburger Patentkrug ein Führungskräfteevent unter dem Motto „Führung neu denken – Future Skills für eine dynamische Arbeitswelt“, das zugleich im Zeichen des 30-jährigen Unternehmensjubiläums stand. Rund 100 Unternehmer und Führungskräfte aus der gesamten Region kamen zusammen, um sich zu diesen Fragen auszutauschen und über innovative Ansätze in der Führung zu informieren. Vier Vorträge renommierter Führungsexperten standen im Mittelpunkt, die nicht nur aktuelle Herausforderungen beleuchteten, sondern auch konkrete Lösungsansätze und Wege präsentierten.
Den Auftakt machten Juliane Wefers als Gründerin der Wefers & Coll. Unternehmerberatung sowie die geschäftsführenden Gesellschafter Michael Wefers und Christian Vaske mit ihrem Vortrag über Future Skills im Generationswandel. Juliane Wefers würdigte die Meilensteine des Unternehmens anhand von vier Entwicklungsphasen und stellte dar, wie sich das Unternehmen an internen wie externen Herausforderungen regelmäßig neu ausrichten musste, dabei seinen Werten jedoch stets treu geblieben sei. „Wir feiern heute nicht nur unser Jubiläum, sondern auch unsere Werte und Visionen, die uns in jeder Veränderungsphase Orientierung gegeben haben“, sagte sie. „Wir haben uns immer darauf konzentriert, Menschen und Unternehmen dabei zu unterstützen, ihr volles Potenzial zu entfalten.“
Juliane Wefers, inzwischen im Ruhestand, beschrieb den erfolgreich vollzogenen Prozess der Nachfolgeplanung und unterstrich die Relevanz, diesen frühzeitig anzustoßen, um einen reibungslosen Übergang im Unternehmen zu gestalten. Ein großer Erfolgsfaktor bei der Nachfolgeplanung wie auch bei anderen Nachbesetzungen sei der Fokus auf zukunftsrelevanten Fähigkeiten. Das habe auch im eigenen Unternehmen gegolten: „Future Skills waren immer unser Thema: Was tut sich um uns herum und wie müssen wir uns dann aufstellen, um unsere Mandanten auch zukünftig voll unterstützen zu können?“
„Wir feiern heute nicht nur unser Jubiläum, sondern auch unsere Werte und Visionen, die uns in jeder Veränderungsphase Orientierung gegeben haben.“ (Juliane Wefers)
Dieses Thema griff Michael Wefers im zweiten Teil des Vortrags auf: Bei der Suche nach den passenden Führungskräften sollte es nicht darum gehen, welche Skills heute relevant fürs Unternehmen sind, sondern um die Fähigkeiten, die benötigt würden, um das Unternehmen in der Zukunft zu seinen Zielen zu tragen. Wie sieht das Leitbild aus? Was bedeutet das für die Fünfjahresplanung? Wie muss sich das Unternehmen zur Erreichung dieser Pläne aufstellen und welche neuen Anforderungen müssen Führungskräfte dafür erfüllen? „Wir wissen alle nicht, was kommt, aber wir benötigen Annahmen, die wir jährlich überprüfen. Gerade junge Menschen wollen heute wissen, wo die Reise hingeht, und dafür braucht es klare Zukunftsbilder.“
Michael Wefers unterstrich Resilienz und Selbstreflexion als unternehmensübergreifend notwendige Future Skills künftiger Führungskräfte, die trainiert werden könnten. Zunehmende Unsicherheiten und die steigende Komplexität der Rolle machten ein permanentes Arbeiten an der mentalen Stärke der Führungsmannschaft unabdingbar.
Im dritten Teil des Vortrags stellte Christian Vaske die Möglichkeiten der Managementdiagnostik hinsichtlich des Aufbaus einer starken Führung vor. Die Identifikation der Leistungsträger, das Erkennen und Heben ungenutzter Potenziale des vorhandenen Personals und das Zusammenstellen effizienter Teams sei mit den richtigen Instrumenten ebenso möglich wie die Auswahl neuer Führungskräfte, die über die benötigten Future Skills des Unternehmens bereits verfügten oder das Potenzial hätten, diese zu entwickeln.
Jedes Unternehmen müsse für sich ergründen, welche Future Skills die entscheidenden für die eigene Führungsmannschaft seien, welche bereits im Hause vertreten seien, welche entwickelbar seien und welche durch externe Personen hinzukommen müssten. Und damit sei es nicht getan: In wandelnden Zeiten bedürfe es der Befähigung der Führungsmannschaft durch neue Kompetenzen, die über den klassischen Methodenkoffer hinausgingen – und dies sei ein fortwährender Prozess.
Im zweiten Vortrag teilte Annette Vetter, Personalchefin der Landessparkasse zu Oldenburg, ihre Erkenntnisse darüber, wie sich Leadership-Modelle in der heutigen Zeit weiterentwickeln müssten. Sie betonte die Bedeutung emotionaler Intelligenz und innerer Haltung für erfolgreiche Führungskräfte – Fähigkeiten, die in einer zunehmend virtuellen Arbeitswelt immer wichtiger würden. Sie stellte Beispiele vor, wie neue Führungskräfte in ihrem Unternehmen befähigt würden, ihre Funktion kompetent auszufüllen. Herzstück dieser Funktion seien die vier Rollen einer Führungskraft: Steuermann, Vorbild, Veränderungsmanager und Personalentwickler.
Eine große Herausforderung in der Führung sei aktuell, Mitarbeiter aus bis zu fünf Generationen mit teils sehr unterschiedlichen Werten, Prioritäten und Sichtweisen unter einen Hut zu bekommen. „Als Unternehmer muss man sich zum Beispiel fragen: Welche Arbeitszeitmodelle der Zukunft will ich schaffen, damit auch Menschen in Teilzeit Verantwortung übernehmen können? Denn diese brauchen wir!“ Unternehmen müssten auf die individuellen Bedürfnisse der Mitarbeiter blicken und Strategien erarbeiten, wie diese erfüllbar seien. „Unsere Mitarbeiter sind unser wichtigstes Gut, und um dieses sollten wir uns kümmern!“
Dirk Thole, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stadtwerke Flensburg GmbH, sprach in seinem Vortrag über den internen Transformationsprozess der Führungskultur. Er berichtete von verschiedenen Stellschrauben, an denen das Unternehmen ansetze, um tradierte Strukturen weiterzuentwickeln und sich an interne und externe Veränderungen anzupassen. Ein wichtiger Schlüssel sei für ihn der Faktor Diversity. Er sei überzeugt, dass ein heterogenes Team alles erreichen könne. Ein anderer Faktor sei die Eigenverantwortung: „Wir müssen unseren Mitarbeitern Selbstbewusstsein verleihen, ihnen zeigen, dass wir ihnen vertrauen, damit sie den Mut haben, etwas zu bewegen.“ Fehler müssten enttabuisiert werden.
Selbstverständlich gebe es in jedem Unternehmen Menschen, die sich mit Veränderungen schwertäten. Dirk Thole hält es für am wichtigsten, mit den Mitarbeitern im Gespräch zu bleiben. Diese müssten individuell gesehen, angehört und einbezogen werden. Auch ein regelmäßiges Feedback halte er für unerlässlich und sehe es als „Betrug am Menschen“, mit Mitarbeitern nicht frühzeitig das Gespräch zu suchen, wenn es an ihrer Arbeit etwas auszusetzen gebe. Zugleich müssten Vision, Ziele und Fortschritte aktiv kommuniziert werden, um die Mitarbeiter zu motivieren und mitzunehmen. Er sei stolz darauf, dass seine Mitarbeiter nicht nur der Wunsch antreibe, das Unternehmen weiterzuentwickeln, sondern der unbedingte Wille.
Dr. Christian Friege, Mitglied des Vorstands der EWE AG, thematisierte in seinem Vortrag Veränderungen der Führungsrolle und teilte wertvolle Einblicke aus seiner langjährigen Erfahrung. Es brauche fortwährend neue Ansätze und eine starke Ersatzbank an Nachwuchsführungskräften, um Vertrauen innerhalb eines Unternehmens zu stärken. Er wies auf den Einsatz von Potenzialanalysen hin, die als Basis dienen können. Welche Leistung erbringt eine Person heute und welche könnte sie zukünftig erbringen? Diese Beurteilung stelle eine Gesprächsgrundlage für Weiterentwicklungsmaßnahmen für die jeweiligen Mitarbeiter dar.
Am Beispiel künstlicher Intelligenz beschrieb Dr. Friege, wie Führungskräfte Ängsten der Mitarbeiter vor Veränderungen begegnen könnten. Die Maßnahmen bestünden aus großer Transparenz darüber, wofür neue IT-Systeme verwendet werden, und intensiver Ausbildung in diesem Zusammenhang. Hier sprach er auch das Thema Mitbestimmung an: Dort, wo Mitarbeitervertretungen von Anfang an im Projekt mitgenommen wurden, gebe es seiner Erfahrung nach hinterher die wenigsten Konflikte. Veränderungen werde es insbesondere durch fortschreitende digitale Transformationsprozesse auch in der Zusammenarbeit und in der Dauer von Projekten geben. Den Fokus von Führungskräften sehe er deshalb zukünftig klar auf Motivation, Führung und Empathie.
Abgerundet wurde das Programm durch Hans-Joachim Katenkamp, der stellvertretend für die Seenotretter auftrat, um sich für die Spenden zu bedanken, zu denen die Gäste im Vorfeld aufgerufen worden waren. In seinem Grußwort stellte er die Arbeit der Seenotretter vor und griff die Themen des Abends auf. Führung bedeute an Bord klare Hierarchien und Funktionen. Hier müsse jeder seine Aufgabe bis ins Detail kennen und die Zusammenarbeit im Einsatz wortlos funktionieren. Er unterstrich den ausgeprägten Teamgeist auf dem Schiff. Jeder hier wisse, dass einer allein nicht beim zu rettenden Menschen ankomme – das sei nur im Team möglich.
Für Wefers & Coll. war das Event nicht nur ein Rückblick auf vergangene Erfolge; es war auch ein Ausblick auf zukünftige Entwicklungen und Möglichkeiten, um als Unternehmerberatung weiterhin an vorderster Front im Nordwesten zu stehen. „Wir sind stolz darauf, seit 30 Jahren einen Beitrag zur Auswahl, Gewinnung und Entwicklung von Führungskompetenzen in verschiedensten Unternehmen zu leisten“, so Juliane Wefers. „Die heutige Veranstaltung hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig es ist, Führung neu zu denken und sich auf zukünftige Herausforderungen vorzubereiten.“
Die dynamische Arbeitswelt erfordert von Führungskräften ein Umdenken hinsichtlich ihrer Rolle und ihrer Fähigkeiten. Future Skills sind nicht nur wünschenswert; sie sind entscheidend für den langfristigen Erfolg eines Unternehmens. Insbesondere für die oberen Führungsebenen ist es daher unerlässlich, sich proaktiv mit diesen Themen auseinanderzusetzen – denn die Zukunft gehört denen, die bereit sind, zu lernen und sich anzupassen.
Wir bedanken uns ganz herzlich bei unseren Referenten, bei Hans-Joachim Katenkamp, der einen Überblick über die Seenotretter und ihre Arbeit gab, sowie bei allen Teilnehmern. Danke für inspirierende Vorträge, spannende Einblicke in Ihren beruflichen Alltag und viele tolle Gespräche! Wir freuen uns schon jetzt auf unser nächstes Event!
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